Warum der 11. Oktober für Währing so wichtig ist

Warum der 11. Oktober für Währing so wichtig ist

Am kommenden Sonntag wählen die meisten von uns gleich zwei Mal:
den Wiener Gemeinderat und eine der 23 Bezirksvertretungen.
(Anmerkung: EU-BürgerInnen sind nur im Bezirk wahlberechtigt und wählen daher nur einmal.)

Für Währing ist diese Wahl besonders wichtig:
In der Wiener Stadtverfassung ist festgelegt, dass die bei der Bezirksvertretungswahl stimmenstärkste Partei automatisch die Bezirksvorsteherin bzw. den Bezirksvorsteher stellt. Und erstmals seit 1945 ist es realistisch, dass das in Währing nicht mehr die ÖVP ist. Währing kann – mit Eurer Unterstützung – erstmals eine grüne Bezirksvorsteherin bekommen.

 

(Schon bei der letzten Bezirksvertretungswahl 2010 trennten uns Grüne von der ÖVP weniger als 5%. Und der Trend seither spricht eine klare Sprache: 2013 bei der Nationalratswahl nur mehr ganz knapp hinter der ÖVP, waren wir 2014 bei der Europawahl erstmals stimmenstärkste Partei im Bezirk. Das wollen wir auch am 11. Oktober schaffen.)

cc-by Leon Yaakov https://flic.kr/p/pWL1rJ
cc-by Leon Yaakov https://flic.kr/p/pWL1rJ

In der Zusammenarbeit zwischen Stadt Wien und den Bezirken haben die BezirksvorsteherInnen die Schlüsselrolle. Sie erhalten alle Informationen, mit ihnen werden Planungsvorhaben besprochen, sie erfahren von Initiativen der Stadt und können diese für den Bezirk nutzen – oder auch nicht. Währing hat hier in den letzten Jahrzehnten viele Chancen verpasst. Es braucht neue Ideen und neue Energie – Währing braucht einen Wechsel im Amtshaus.

Und weil die Handlungsmöglichkeiten einer grünen Bezirksvorsteherin in Währing doch davon abhängen, wer Wien regiert, zum Abschluss noch ein paar Anmerkungen zur Wien-Wahl:
(1) Die FPÖ wird in Wien nicht Erste.
(2) Selbst wenn dieser sehr, sehr unwahrscheinliche Fall eintritt, wird sie keine Koalition zustande bringen (Blau-Schwarz geht sich never-ever aus).
(3) Strache als Bürgermeister ist daher eine Phantom-Option für ein SP-FP-inszeniertes Wahlkampfduell.
(4) Die SPÖ beweist im Burgenland, in manchen Wiener Bezirken und mit ihrer Politik im Bund, dass sie kein verlässliches Bollwerk gegen Rechts ist.

WIRKLICH WICHTIG IST: Wer wird die nächsten 5 Jahre mit der SPÖ die Stadt regieren? Und wie stark wird dieser Koalitionspartner sein? – Und dazu kann man nur sagen: Was wir für Währing vorhaben, wird mit einer Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou ein bisserl leichter als mit einem Verkehrsstadtrat Juraczka…

Also: Wenn Ihr schon taktisch wählen wollt, bitte, bitte, verdribbelt euch dabei nicht –> Wer Rot-Grün will, muss Grün wählen!

Es wird ein knappes Rennen – und mit Deiner Stimme schaffen wir das! In Währing und in Wien.

Anrainerparken ohne Parkpickerl – ein ÖVP-Wahlkampfschmäh

Anrainerparken ohne Parkpickerl – ein ÖVP-Wahlkampfschmäh

Warum die Idee der ÖVP Währings Probleme nicht löst:

Das Hauptproblem in den überparkten Gebieten Währings: Touristen und Wochenpendler, die ihr Auto hier gratis abstellen. Das Parkpickerl zielt direkt auf dieses Hauptproblem: Kein Dauerparken mehr für Autos von außerhalb des Bezirks. Das reduziert die Anzahl der abgestellten Autos signifikant und bedeutet mehr Platz und weniger Verkehr für alle.

Die ÖVP, die ja das Parkpickerl seit Jahren blockiert, propagiert nun Anrainerparken statt Parkpickerl als Lösung für Währings Platzprobleme. Klingt originell, ist aber bei genauerer Betrachtung eine Scheinlösung: Mit Anrainerparken würde zwar ein Teil der Parkplätze für Autos aus dem Bezirk reserviert – auf dem Großteil der Parkplätze dürften allerdings weiterhin Wochenpendler und Touristen kostenlos dauerparken. Was sie wohl weiterhin nutzen würden.

Resultat: Die Autos werden nicht weniger und die Parkplätze nicht mehr. Das bringt keine Entlastung – außer in den glücklichen Momenten, wo bei der stundenlangen Parkplatzsuche der nächste frei werdende Parkplatz zufällig ein Anrainerparkplatz ist, den der vor mir kreisende Tourist und die hinter mir Parkplatz suchende Pendlerin nicht nehmen dürfen.

Hier noch zwei Gegenüberstellungen:
Anrainerparken_TabelleAnrainerparken_Grafik

Das Fahrrad – beliebtes Aufregerthema

Das Fahrrad – beliebtes Aufregerthema

Jeder Meter, der mit dem Rad gefahren wird statt mit dem Auto, ist für uns alle gut: Weniger Lärm, weniger Feinstaub, weniger klimaschädliches CO2. Radfahren braucht viel weniger Platz und die durch die Stadt fahrenden Drahtesel sind um vieles ungefährlicher als der Autoverkehr. Zukunftsweisende Verkehrspolitik muss das Radfahren fördern – gerade in der Stadt, wo die meisten Wege unter 5 km und daher fürs Fahrrad bestens geeignet sind.

Soweit, so logisch. Sollte man meinen. Denn erstaunlicher Weise ist das Fahrrad immer wieder Aufregerthema. Zeit, sich einmal mit den häufigsten Vorwürfen auseinander zu setzen:

Aufreger 1: Euch sind nur die Radfahrer wichtig. Das ist Klientelpolitik auf Grün!

Wir wollen nicht eine bestimmte Menschengruppe fördern, sondern umweltfreundliche Fortbewegungsarten: Öffis, Zufuß-Gehen, Radfahren. Die meisten von uns verwenden für ihre Wege unterschiedliche Verkehrsmittel. Und wenn uns Lebensqualität und Klimaschutz wichtig sind, dann müssen wir immer mehr davon ohne Auto zurücklegen.

Wien ist da, was den Öffentlichen Verkehr anlangt, vorbildlich. Die 365-Euro-Jahreskarte, Linienverbesserungen und die Parkpickerl-Erweiterung haben in den 5 Jahren Rot-Grün einen zusätzlichen Schub gebracht. Ausbaufähig ist im Vergleich mit anderen Städten immer noch das Radfahren.

Aufreger 2: Ihr wollt die Menschen zwangsbeglücken – aber nicht jeder will oder kann radfahren!

Niemand sagt, dass alle radfahren müssen. Ziel einer zukunftsorientierten Verkehrspolitik muss jedoch sein, dass immer mehr – Eltern mit Kindern, Jugendliche, Ältere – Lust haben und sich trauen.

Das hat mit Verkehrsorganisation zu tun: Tempobeschränkungen, Bodenmarkierungen, die das Vorhandensein von Radfahrenden sichtbar machen, radverkehrsfreundliche Ampelschaltungen und Einbahnregelungen, Begegnungszonen, fahrradfreundliche Straßen, Radwege.

20130504_Radaktionstag1Und das hat mit der Förderung vielfältiger Fahrradnutzung zu tun: Fahrrad-Anhänger für die Mitnahme von Kindern, Fahrräder mit Elektroantrieb für die Währinger Steigungen, Dreiräder für Erwachsene – anderswo bei älteren Menschen sehr beliebt, die nicht mehr so auf ihr Gleichgewicht vertrauen. Und auch Gewerbetreibende entdecken die Alternative zum Auto: eine Teppichreinigung, die die Teppiche per Lastenrad abholt, ein Supermarkt liefert per Lastenrad, eine Elektrofirma lässt ihre Monteure zu einfachen Störungen per Elektro-Scooter anfahren.

Es ist Verantwortung der Politik, dass das Radfahren als alltägliches Fortbewegungsmittel gesehen wird und nicht als Spleen von ein paar ausgeflippten Freaks.

Aufreger 3: Bei Autofahrern regt ihr euch über Regelübertretungen auf. Was ist mit den Radfahrern, die bei Rot über die Kreuzung fahren oder am Gehsteig unterwegs sind?

Gleich zu Beginn: Regelübertretungen sind nicht okay. Vor allem dann nicht, wenn sie andere gefährden. Wenn RadfahrerInnen auf Gehsteigen dahinbolzen, ist das ebenso zu ahnden, wie wenn sie Stopp-Tafeln oder rote Ampeln überfahren.

Ich geb aber zu, dass es hier für mich Grauzonen gibt: Eltern, die mit ihren radfahrenden Kindern vorsichtig am Gehsteig unterwegs sind, weil der Verkehr auf der Straße zu gefährlich ist (wie in Wien noch zu häufig der Fall). Oder Kreuzungssituationen, wo es für Radfahrende – nach vorheriger Prüfung – sicherer ist, die Kreuzung bei Rot zu überqueren (wie bei bestimmten Stellen am Gürtelradweg, wo linksabbiegende Autos queren).

Hier geht’s aus meiner Sicht nicht ums Strafen – hier geht’s darum, die Straßen fahrradsicher zu machen und auf den Autoverkehr ausgerichtete Regelungen neu zu gestalten. Und damit auch ein Klima der gegenseitigen Rücksichtnahme auf der Straße zu fördern.

Wo geht’s hier Richtung Zukunft?

Wo geht’s hier Richtung Zukunft?

Gestern abend auf der Mariahilfer Straße – Tag eins nach dem Eröffnungsfest. Ein lauer Sonntagabend, die Geschäfte sind geschlossen – und die Straße lebt: Eltern und Kinder auf dem Fahrrad, Spaziergänger und Joggerinnen, junge Pärchen auf den Bänken, ein älterer Herr hat es sich gemütlich gemacht und beobachtet die Szenerie. Ab und zu fährt ein Auto vorbei – in begegnungsgerechter Geschwindigkeit. Die Menschen im dichtverbauten 6. und 7. Bezirk haben nicht lange gebraucht, sich diesen neuen Freiraum anzueignen – und es ist eine Freude, ihnen dabei zuzusehen.

Das ist es, was der Kopenhagener Stadtplaner Jan Gehl „Stadt für Menschen“ nennt. Oder, wie es die Wiener Zeitung in ihrem Artikel letzten Freitag zu „Vassilakous Meisterstück“ beschreibt: „Weg von der autogerechten Straße der 70er und 80er, wo Fußgänger und Radfahrer nur eine Nebenrolle spielen und der öffentliche Raum dem Pkw untergeordnet wird.“

Mahü_EröffnungDie ÖVP steckt leider noch fest in dieser Idee von der autogerechten Straße der 70er und 80er. Wie hat sie gegen die neue Mariahilfer Straße gewettert! Hätte sie dort das Sagen, dann wäre die jetzt schönste Flaniermeile Wiens noch heute im täglichen Dauerstau.

In Währing erleben wir täglich, was diese Politik von vorgestern in der Praxis bedeutet: eine Gehsteigverschmälerung da, ein zubetonierter Grünstreifen dort, teure Ampeln statt wirksamer Einbremsung des Autoverkehrs, Ignoranz gegenüber Hunderten blockierten Straßenbahnen – und vor allem die Blockade des Parkpickerls.

Letzte Woche am Kutschkermarkt wurde ich gefragt, was wir Grüne denn außer dem Parkpickerl noch wollen für Währing. Die Liste ist lang: Unterstützung der lokalen Wirtschaft, mehr Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten, mehr Kulturinitiativen, Erhalt und Ausbau der Grünanlagen, mehr Gemeinschaftsgärten, sichere Schulwege, bessere Radfahr-Möglichkeiten, mehr Platz fürs Zufuß-Gehen, mehr Bürgerbeteiligung, usw. usw. Mehr dazu in den nächsten Wochen hier auf dieser Website.

Warum das Parkpickerl gerade deshalb ganz oben auf der Liste steht:
Eine Stadt, ein Bezirk, in dem wir uns zu Hause fühlen und Lust auf Engagement und Miteinander haben, braucht einladende öffentliche Räume: Straßen und Plätze mit Geschäften und Lokalen, mit Möglichkeiten zum Verweilen und Plaudern mit anderen Menschen, mit Platz zum Gehen und zum Stehen-Bleiben, zum Radfahren und zum Kinderwagen-Schieben.
In Währing gibt es viel zu wenig davon. Weil jeder freie Quadratmeter mit Autos vollgestellt ist. Und man trotzdem keinen Parkplatz findet, wenn man ihn braucht.

Noch knapp 10 Wochen bis zur Wahl. Noch 70 Tage, bis am 11. Oktober die Entscheidung fällt, ob Währing weiterhin in Stillstand und Blockade verharrt und ein großer Gratisparkplatz für Touristen und Wochenpendler bleibt. Oder ob unser Bezirk diese Blockade endlich auflöst. Es ist Zeit, dass Währing mit einer grünen Stimmenmehrheit und einer grünen Bezirksvorstehung den Weg für das Parkpickerl frei und damit den Schritt ins 21. Jahrhundert macht. Gemeinsam schaffen wir das – so wie die Mariahilfer Straße 🙂

Unfallentwicklung, Straßenbahnblockaden, Zukunftskonzepte – in Währing alles kein Thema

Unfallentwicklung, Straßenbahnblockaden, Zukunftskonzepte – in Währing alles kein Thema

Wenn man mit Menschen in der Stadt über Lokalpolitik redet, dann gibt es in der Regel ein bestimmendes Thema: Verkehr. Wie der organisiert ist, wie der öffentliche Raum gestaltet ist, wem wie viel Platz darin eingeräumt wird – damit steht und fällt die Lebensqualität.

Deswegen gehört die Verkehrskommission – oder auch Mobilitätskommission, wie sie in manchen Bezirken besser heißt – auch zu den arbeitsintensivsten Gremien der Bezirksvertretungen: Dort werden Straßen-Neugestaltungen besprochen, Gesamtkonzepte der Stadt vorgestellt und ihre Chancen für den Bezirk ausgelotet, Anliegen von BürgerInnen, Elternvereinen und Schulen bearbeitet, neue Entwicklungen besprochen. Das bedeutet zumindest einmal im Monat intensive Sitzungen und Diskussionen.

gersthoferstrasseZumindest sollte das so sein. In Währing gehen die Uhren anders: Unsere Verkehrskommission hatte unter ÖVP-Führung seit der letzten Wahl im Oktober 2010 genau 10 Arbeitssitzungen. In 5 Jahren. Seit 2012 gibt es Sitzungen überhaupt nur mehr, wenn grüne Anträge eine Einberufung notwendig machen.

Genau genommen ist das ein ziemlicher Skandal. Denn es ist ja nicht so, dass es in Währing keine Probleme gäbe. So weist die Unfallstatistik 2012/13 für Währing eine der schlechtesten Unfallentwicklungen unter Wiens Bezirken aus. Das wäre doch eine Verkehrskommissionssitzung wert, dass man sich diese Statistik ein bisschen genauer anschaut, von ExpertInnen analysieren lässt und Verbesserungsvorschläge erarbeitet.

Oder das Thema Straßenbahnblockaden: Von wienweit 710 von parkenden Autos verursachten Straßenbahnblockaden passierten im Jahr 2014 allein 256 in Währing. Das sind 36 Prozent! Auch das sollte doch dem verantwortlichen Gremium der Bezirkspolitik eine Sitzung wert sein. Sollte man meinen. Die Statistik kam im Jänner heraus. Jetzt haben wir Mai…

Die Untätigkeit betrifft neben den akuten Problemen auch die Zukunftsfragen:
Das Verkehrsressort Wiens hat in den letzten Jahren ein neues Hauptradwegenetz erarbeitet, ein neues Garagenkonzept, Richtlinien für Begegnungszonen, ein Grün- und Freiraumkonzept zur Förderung des Zu-Fuß-Gehens – viele Chancen, Rahmensetzung und Ideen für Bezirke, Verkehr umweltfreundlicher zu machen und den öffentlichen Raum attraktiver. Und nebenbei auch noch finanzielle Unterstützung von der Stadt für das eine oder andere Projekt zu bekommen. In Währing alles kein Thema, alles keine Gründe für Bezirksvorsteher Homole und den VP-Vorsitzenden, die Verkehrskommission damit zu befassen.

Es wird Zeit, dass dieser Bezirk in engagiertere Hände kommt. Gemeinsam schaffen wir das!

Cottagegasse 6: Wie Desinteresse Lebensqualität gefährdet

Cottagegasse 6: Wie Desinteresse Lebensqualität gefährdet

Die Widmungsänderung für das Grundstück Cottagegasse 6 wurde kürzlich vom Gemeinderat beschlossen: Aufzonung auf Bauklasse III, Verkleinerung der Grünfläche und Aufhebung des Unterbauungsverbots. Nach der breiten Zustimmung der Währinger Bezirksvertretung – nur wir Grüne hatten dagegen gestimmt –, war nicht viel anderes möglich.
Kleiner Erfolg: Dank mehrerer Hundert AnrainerInnen-Einsprüche und grüner Hartnäckigkeit wurde durchgängig 1,5 m Aufschüttung auf die zukünftige Tiefgarage vorgeschrieben. Immerhin. Damit besteht die Chance, dass dort nach dem Bau ersatzgepflanzte Bäume irgendwann wieder richtige Baumgröße erlangen.

Insgesamt ist die Geschichte rund um das Grundstück Cottagegasse 6 allerdings ein Lehrstück, wie desinteressierte und ambitionslose Bezirkspolitik die Lebensqualität in einem ganzen Grätzl gefährdet.

Cottagegasse 6 013Das begann im Jahr 2010, als in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die acht wunderschönen Kastanienbäume im Gastgarten direkt an der Straße allesamt gefällt wurden. Damit waren nicht nur der wunderschöne Gastgarten und das dortige Restaurant Geschichte, sondern auch wertvolles Grün mitten im dichtverbauten Gebiet. Bezirksvorsteher Homole, über dessen Schreibtisch die Baumbescheide gingen, sah keinen Grund, die Rodung zu hinterfragen bzw. auf Immobilieninteressen hin abzuklopfen.

Viele WähringerInnen waren empört über die offensichtliche Immobilienspekulation. Vielleicht war das ja der Grund, warum 2013 völlig überraschend ein 4-Parteien-Antrag zustande kam, in dem sich die gesamte Bezirksvertretung für den uneingeschränkten Erhalt der Grünfläche aussprach. Wir freuten uns, und wir wunderten uns. Nicht lange.

Ein Jahr später war eh wieder alles anders: Ein neuer Bauwerber präsentierte eine gefällige Projektskizze – und ohne jede Not forderten ÖVP, SPÖ und FPÖ von der zuständigen Behörde alle von ihm benötigten Widmungsänderungen ein. Ohne irgendeine Auseinandersetzung mit dem Bauprojekt, ohne jede Auflage: keine, um zukünftigen Baumbestand sicherzustellen, keine, um die Belichtung des Hofs am Nachbargrundstück zu gewährleisten, nichts. Mit Müh und Not konnten wir unsere KollegInnen im Bauausschuss dazu bringen, die Mindestaufschüttung über der künftigen Garage zu fordern; Diskussionen über weiter gehende Auflagen wurden vom VP-Vorsitzenden schlicht abgewürgt.

Vor allem die Aufhebung des Unterbauungsverbots schmerzt. Gibt es doch im dichtverbauten Gebiet nicht mehr viele Stellen, wo Bäume ungehindert wurzeln und Regenwasser ungehindert abfließen kann. Und ja, natürlich kann man – wie die drei Parteien mit Bezirksvorsteher Homole an der Spitze –die einfache Logik akzeptieren: Neue Wohnbauten haben eine Stellplatzverpflichtung, daher muss Garage gebaut werden, die braucht das ganze Grundstück und daher muss unterbaut werden.

Man hätte aber auch das Gespräch mit dem Bauwerber suchen können. Um innovative Lösungen ins Spiel zu bringen – zum Beispiel die Konzeption des Projekts als erstes autofreies Wohnhaus in Währing (analog den Autofreien Siedlungen in anderen Bezirken). Oder zumindest zu schauen, wie eine kleinere Garage ausschauen könnte – und dann mit der Behörde über eine Reduktion der Stellplatzverpflichtung zu verhandeln. Oder eben zumindest mit der Behörde diskutieren können über Auflagen für Baumbestand und Belichtung.

Alles nicht passiert. Währing braucht frische Energie und neue Ideen. Gemeinsam schaffen wir das!

Mehr Fahrrad für Währing

Mehr Fahrrad für Währing

Die Temperaturen steigen, der Frühling kommt – da macht Radfahren wieder so richtig Spaß. Zwischen zwei Terminen Bewegung machen, ohne Parkplatzsuche, Stau und Warterei unterwegs sein, Einkäufe transportieren – das ist es, was ich an diesem Verkehrsmittel so schätze. Die meisten in der Stadt zurückgelegten Wege sind kürzer als 5 km (das reicht von Währing bis zu Urania oder Hauptbahnhof) – und für diese Distanzen ist das Fahrrad unschlagbar.

Mehr Radfahren heißt: Weniger Lärm, weniger Feinstaub, weniger klimaschädliches CO2. Radfahren braucht viel, viel weniger Platz als Autoverkehr – fahrend wie stehend. Und nicht zuletzt, allen Diskussionen um Fahrradrowdies zum Trotz, sind die durch die Stadt fahrenden Drahtesel um vieles ungefährlicher als motorenbetriebene Blechkutschen. Radfahren ist also für alle gut – für den Einzelnen, für die Allgemeinheit und für die Umwelt.

Bis zu Bezirksvorsteher Homole und seiner ÖVP hat sich das leider noch nicht herumgesprochen. Währing ist auch bezüglich Radverkehrspolitik Schlusslicht unter Wiens Bezirken: Nirgends sonst gibt es so wenig Radwege, Radstreifen, sichere Radverbindungen und Radabstellanlagen. Kaum wo sonst wird die Förderung des Radverkehrs dermaßen verschlafen.

Man muss es ja auch selbst erlebt haben: Wie unangenehm es ist, wenn einen in der Gersthofer Straße die Autos viel zu schnell und viel zu knapp überholen. Wie öd es ist, wenn vor dem Bezirksamt wieder mal alle Radbügel überbelegt sind. Oder bei der S45-Station Gersthof erst gar keine vorhanden. Was für eine Zumutung Einbahn-Umwege sind, in Währing oft auch noch mit Steigungen verbunden, nur weil wegen ein paar Schrägparkplätzen Radfahren-gegen-die-Einbahn verboten ist.

Höchste Zeit, dass das Fahrrad auch in Währing als Verkehrsmittel der Zukunft ernst genommen wird. Das heißt so rasch als möglich:

  • Tempo 30 auch auf den sogenannten Hauptstraßen Martinstraße / Gymnasiumstraße, Gentzgasse, Währinger Straße, Hasenauerstraße und Gersthofer Straße / Pötzleinsdorfer Straße
  • durchgängige und sichere Radverbindungen quer durch Währing, von Pötzleinsdorf bis in die Innenstadt, von der Jörger Straße und Hernalser Hauptstraße bis zur Billroth- und Peter-Jordan-Straße,
  • ein dichtes Netz an Abstellanlagen, vor allem auch bei S45 und U6
  • Förderung von kreativen und innovativen Ideen: Lieferdienste mit Lastenrad, E-Bikes, Kinderanhänger, Fahrradstationen (das sind Abstellanlagen kombiniert mit Radwerkstatt) und „Luftstationen“ (an öffentlichen Plätzen zum einfachen Reifen-Aufpumpen), Fahrradkurse für Erwachsene, usw. usw.

radaktionstagWir wollen, dass die Menschen in Währing gerne und viel Rad fahren.

Schon wieder eine Motivation, am 11.10. die Wahl zu gewinnen und Bezirksvorsteherin zu werden. Gemeinsam schaffen wir das 🙂

Teure Verkehrspolitik von vorgestern: Noch eine Ampel auf der Gersthofer Straße

Teure Verkehrspolitik von vorgestern: Noch eine Ampel auf der Gersthofer Straße

Die Situation ist seit Jahren bekannt: Die Gersthofer Straße ist als Auto-Rennbahn angelegt, FußgängerInnen kommen nur über die Straße, wenn sie entweder todesmutig sind oder Umwege bis zur nächsten Ampel in Kauf nehmen; an Radfahren ist für die meisten sowieso nicht zu denken.

Seit Jahren unternehmen Bezirksvorsteher Homole, ÖVP und SPÖ genau nichts. Eine Bürgerinitiative, Hunderte Unterschriften, runde Tische mit der Verkehrsstadträtin – Ergebnis null. Doch seit kurzem liegt nun die Unfallstatistik 2013 auf dem Tisch. Sie ist für Währing insgesamt katastrophal, und die Gersthofer Straße gehört zu den besonders gefährlichen Pflastern: 18 Unfälle allein zwischen Kreuzgasse und Türkenschanzplatz.

Nun sind Homole und CO unter Zugzwang. Und was machen sie? Sie graben eine ihnen abgerungene punktuelle Untersuchung der Kreuzung Gersthofer Straße / Herbeckstraße aus und finden darin den Stein der Weisen: Die Gersthofer Straße soll eine weitere Ampel bekommen. Die vierte auf 250 Meter. Damit würde nun „die gefährliche Situation in der Gersthofer Straße beseitigt“.

Ein schlechter Scherz. Die Ampel würde nur einen kleinen Teil des Gefahrenbereichs abdecken. Und sie würde am Grundproblem gar nichts ändern: Wie schon die anderen 3 Ampeln „durchgeschalten“, wird sie die Autos nicht einbremsen; dafür müssen die FußgängerInnen einmal mehr Umwege und Wartezeiten in Kauf nehmen, um sicher über die Straße zu kommen. Die nächste teure Scheinlösung – kostet doch das Ganze auch noch 100.000 EURO plus laufende Instandhaltung.

Wir brauchen eine Verkehrspolitik für die Stadt von heute und morgen – und nicht für die von vorgestern. Das heißt vor allem: Nicht der Autoverkehr hat im Mittelpunkt zu stehen, sondern die Menschen.

Was wir Grüne machen würden? Kurzfristig eine Trennung von Auto- und Öffispur in beiden Richtungen. Das kostet ein paar tausend Euro Farbe, die Autos werden verlangsamt, 10A und 40er/41er haben freie Fahrt, Zu-Fuß-Gehen und Radfahren werden sicherer, FußgängerInnen können entspannt die Straßenseite wechseln.

Und mittelfristig ein Entwicklungsprojekt „Lebensraum Gersthofer Straße“ – bei dem dann vielleicht etwas in der Art herauskommt, wie es gerade vor der S45-Station Hernals umgesetzt wird:

s45_hernals_c-www-schreinerkastler-at
(c) http://www.schreinerkastler.at

Das müsste doch in Gersthof auch gehen. Und genau dafür möchte ich erste grüne Bezirksvorsteherin in Währing werden. Gemeinsam schaffen wir das!

110.000 Euro für 25 Pendlerparkplätze

110.000 Euro für 25 Pendlerparkplätze

Wir Grüne sind zur Zeit viel in Gersthof unterwegs. Bei unseren Hausbesuchen und bei Gesprächen auf der Straße gibt es neben den Dauerbrennern Parkpickerl und Rennbahn Gersthofer Straße vor allem ein Thema: die neue Einbahn in der Schöffelgasse.

Wo die wohl plötzlich herkommt? Wozu das gut sein soll? Weil das verkehrstechnisch doch gar keinen Sinn macht?

Wenn wir dann erzählen, wie es zu dieser Einbahn zwischen Lidlgasse und Czartoryskigasse gekommen ist, dann bleiben meist nur Kopfschütteln und Ärger.

Also: Veranlasst hat das Ganze Bezirksvorsteher Homole. Weil die Anrainer sich Verkehrsberuhigung gewünscht hätten. Und bei einer Bürgerbefragung eine Mehrheit für diese Einbahnregelung verbunden mit neuen Schrägparkplätzen herausgekommen sei.

Wir wissen nicht, die ganze Bezirksvertretung weiß nicht, wen Homole befragt hat und welche Frage er gestellt hat. Wir wissen nur, wie viel der Spaß kostet: 110.000 Euro für ca. 25 zusätzliche Parkplätze. Also ca. 4400 Euro je neuem Parkplatz.

Und wir wissen, dass der Schildbürgerstreich Methode hat: Weil Währing dank Bezirksvorsteher Homole und seiner ÖVP immer noch kein Parkpickerl hat, ist nicht mehr nur Innerwähring völlig zugeparkt – mittlerweile sind auch große Teile von Gersthof ein einziger Gratisparkplatz für Pendler und Touristen. Damit ist auch Homole unter Zugzwang und muss Aktivität vorweisen.

Und was macht er? Er wiederholt jetzt in Gersthof das, was er in Innerwähring schon in den 1990ern gemacht hat: Er requiriert jeden verfügbaren Quadratmeter für das Abstellen von Autos und „schafft“ so Parkplätze. Da werden Grünstreifen zuasphaltiert – wie in der Schindlergasse und der Scheidlstraße – ohne Rücksicht, ob die dort stehenden Bäume das überleben. Und es werden Einbahnen verordnet, um Schrägparkplätze zu ermöglichen und so ein paar Autos mehr unterzubringen. Wie jetzt eben in der Schöffelgasse.

Gelöst ist damit gar nichts. Die zusätzlichen Parkplätze werden sofort von zusätzlichen Dauerparkern von außerhalb belegt. Und wenn man den Verkehr in Gersthof ernsthaft beruhigen wollte, würde es ein umfassenderes Konzept brauchen als ein willkürlich gesetztes Stück Einbahn (das erfahrungsgemäß eher zur Beschleunigung als zur Beruhigung des Verkehrs beiträgt).

Es wird Zeit, dass wir mit diesen Schildbürgerstreichen Schluss machen. Bevor der letzte Grünstreifen in Währing zubetoniert und noch mehr Geld für teure Scheinlösungen verpulvert ist. Währing braucht zukunftsfähige Verkehrslösungen, allen voran endlich das Parkpickerl. Gemeinsam schaffen wir das.

Öffi-Blockaden wären leicht zu beheben

Öffi-Blockaden wären leicht zu beheben

Ich hab hier von der jahrelangen Blockade und dem Stillstand der Währinger Politik gesprochen – die wichtigste Motivation, warum ich Bezirksvorsteherin werden möchte.

Woran man Blockade und Stillstand merkt? Daran, dass die Menschen sich an Probleme gewöhnen. Ab und zu sich noch aufregen und dagegen aufbegehren, aber irgendwie gar nicht mehr dran glauben, dass sich da jemals etwas ändern wird. Auch wenn sie ganz einfach zu lösen wären.

strassenbahnblockadeEines dieser Probleme: die regelmäßigen Fahrtbehinderungen unserer Straßenbahnen durch Falschparker. Im Jahr 2014 waren die drei Währinger Linien 40, 41 und 42 unter den sechs meist behinderten Straßenbahnlinien Wiens – über 220 Mal war eine Währinger Linie blockiert.

Man muss sich vor Augen halten, was das heißt: Durch die Blockade ist meist der Verkehr auf der kompletten Linie eingeschränkt – in Währing durch die Parallelführung von 40 und 41 häufig gleich für zwei Linien. Die Behebung der Störung dauert bis zu 40 Minuten. Schnell sind hunderte Fahrgäste betroffen, kommen zu spät zur Arbeit, in die Schule, auf die Uni, müssen entweder zu Fuß weiter oder entnervt warten, bis die Fahrt umgeleitet oder endlich fortgesetzt werden kann.

Und das im Schnitt an zwei von drei Tagen. Das geht jetzt in Währing seit Jahren so. Man sollte meinen, dass der Ärger groß und das Problem brisant genug sind, endlich etwas dagegen zu unternehmen. Vor allem, wenn es eine ziemlich einfache Lösung gibt:

strassenbahnblockade2Wenn man sich die Statistik 2014 genau anschaut, dann gibt es bei den Blockaden eindeutige Häufungspunkte. Sieben solcher Häufungspunkte in Kreuzgasse, Währinger Straße und Gentzgasse verursachten in Summe fast 70% der Fahrtbehinderungen. Spitzenreiter ist ein kurzes Straßenstück in der Kreuzgasse, das allein für 46 Blockaden verantwortlich ist.

Die einfache und rasch machbare Maßnahme liegt auf der Hand: die Parkplätze an diesen Blockade-Häufungspunkten wegnehmen. Halteverbot, breiterer Gehsteig oder Radabstellbügel – jedenfalls aber keine falsch parkenden SUVs mehr, die die Straßenbahn blockieren. Ein paar Parkplätze weniger und dafür 152 Mal für Hunderte Menschen Nerven und Zeit gespart.

Wir haben letzte Woche einen entsprechenden Antrag in der Bezirksvertretung gestellt. Die SPÖ meinte, wir würden populistisch agieren, Bezirksvorsteher Homole und seine ÖVP haben sich gleich gar nicht geäußert. ÖVP, SPÖ und FPÖ haben den Antrag abgelehnt.

Zeit für eine andere Prioritätensetzung in Währing: Pünktliche und schnelle Straßenbahnen sind wichtiger als Parkplätze. Und mit dem Parkpickerl können wir auf diese paar Parkplätze in Zukunft noch leichter verzichten. Gemeinsam schaffen wir das!

Zukunft für Währing

Zukunft für Währing

Dieses Jahr wird’s also spannend. Für Währing und für mich. Zum ersten Mal gibt’s die realistische Chance, dass wir Grüne stärkste Partei im Bezirk werden. Und sollten wir das schaffen, dann werde ich die erste grüne Bezirksvorsteherin im 18. Bezirk sein. Schon ein bisschen zum Herzklopfen-Kriegen 🙂

Ich bin jetzt bald 27 Jahre Währingerin. Ich bin hier hängen geblieben, weil ich den Bezirk einfach mag: gute Infrastruktur, alle wichtigen Orte meines Alltagslebens in Fahrraddistanz, die Nähe zum Wienerwald und zur Innenstadt, Schafbergbad und Türkenschanzpark, Hartliebs und Café Schopenhauer. Dazu kommen jede Menge engagierte Menschen und eine geniale Mischung aus Urbanität und lokalem Zusammenhalt – hier fühl ich mich zu Hause.

Und wenn einem seine Umgebung so ans Herz wächst, dann ist der Weg zum Engagement nicht weit – vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass nicht alles zum Besten läuft. Schon vor 20 Jahren war klar, dass die Lebensqualität Währings mehr braucht als bloßes Verwalten des Status-Quo. Und dass Bezirksvorsteher Homole und die ÖVP nicht mehr die Kraft und nicht mehr die Ideen haben, auf neue Entwicklungen zu reagieren und die Herausforderungen im Bezirk wirklich anzupacken.

2009_parkpickerl1Am augenfälligsten wird das wohl an der Parkpickerlfrage. Mitte der 1990er-Jahre hätte Währing Vorreiter sein können: Die Parkraumbewirtschaftung in den Innenbezirken war gerade eingeführt, die gürtelnahen Gebiete der Westbezirke begannen unter hoher Überparkung zu leiden. Währing war mit WIFI, AKH und Volksoper besonders betroffen und hätte damals gute Argumente gehabt, die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung voranzutreiben – es hätte nur ein bisschen Weitsicht gebraucht. Und politischen Mut.

Stattdessen: jahrelang Blockade und Stillstand. Mittlerweile haben alle Westbezirke das Parkpickerl und profitieren davon – alle Westbezirke außer die ÖVP-regierten. Wo Währing heute steht, was die Platzsituation angeht, erleben wir täglich, sobald wir auf die Straße gehen.

gersthoferstrasse2Auch andere Entwicklungen werden verschlafen oder einfach ignoriert: die um sich greifende Immobilienspekulation, der florierende Kutschkermarkt, der dringend mehr Platz braucht, die gefährliche Verkehrssituation rund um die Gersthofer Straße, die Mischung aus Aufwertung und Niedergang im Kreuzgassenviertel, die steigende Bereitschaft der Menschen, auf Öffis und Fahrrad umzusteigen, wenn man pünktlich und sicher unterwegs sein kann, usw. usw.

Ich bin von Beruf Organisationsberaterin. Würde ich bei einer meiner Kundenorganisationen eine dermaßige Vogel-Strauß-Mentalität in der Führungsetage erleben – mir würde angst und bang um das Überleben des Unternehmens.

Währing kann mehr. Das zu wissen und das zu spüren – das war letztlich ausschlaggebend für meine Entscheidung, Bezirksvorsteherin werden zu wollen. Meine grünen MitstreiterInnen und ich – wir haben die Energie und den Mut, die Ärmel hochzukrempeln und unseren Bezirk endlich wieder auf Zukunftskurs zu bringen. Auch weil wir wissen, dass wir damit nicht allein sind, sondern Währing vielen seiner BewohnerInnen ein Herzensanliegen ist.

Es wird ein knappes Rennen – und gemeinsam schaffen wir das 🙂

Nicht das Auto ist unintelligent…

Nicht das Auto ist unintelligent…

Ich oute mich jetzt mal: Nein, ich bin keine Autofeindin. Und ich will auch die Menschheit nicht autolos machen. Genau so wenig, wie ich finde, dass wir Akkuschrauber, Satellitenantennen oder Computertomographen abschaffen sollten. Ich finde sogar, dass das Auto eine ziemlich intelligente Erfindung ist.

Als letztes Jahr Freunde im Waldviertel nahe der tschechischen Grenze geheiratet haben, sind wir mit dem Auto hingefahren. Nach einem kurzen Blick in die Öffi-Fahrpläne eindeutig die beste Variante. Es ist auch nachvollziehbar, dass für den Wochenendbesuch bei den Großeltern im Südburgenland Kinder und ihre Siebensachen per Blechkutsche dorthin verfrachtet werden. Und auch wenn es mittlerweile Experimentierfreudige gibt, die ihre Übersiedlung mit Lastenfahrrädern erledigen, halte ich einen Kastenwagen in diesem Fall für nicht übertrieben. Ganz zu schweigen von den Segnungen motorisierter Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Rettung.

Das Auto ist großartig – wir haben nur zu viele davon und wir fahren unnötig viel damit. Das ruiniert unsere Lebensqualität, besonders in der Stadt, und gleichzeitig macht es jene Unabhängigkeit und Schnelligkeit, die das Auto so nützlich machen, im Stau und bei der endlosen Parkplatzsuche zur Illusion.

Intelligente Autonutzung heißt: Autofahren nur dann, wenn es sinnvoll ist.NY Taxis
Nicht vom 18. Bezirk zum Konzert in die Innenstadt. Wo doch Konzerthaus und Musikverein bequem per Öffis zu erreichen sind. Nicht zum Einkauf in die Mariahilfer Straße – nur auf den Verdacht hin, man könnte etwas Größeres einkaufen. Als wäre für den Fall des Falles das Taxi noch nicht erfunden.
Nicht jeden Tag die Kinder chauffieren, wenn Schule und Kindergarten doch auch zu Fuß gut zu erreichen sind. Und nicht für jede Erledigung automatisch ins Auto steigen – wenn man schon so wohnt, dass das nächste Lebensmittelgeschäft, die nächste Apotheke und der nächste praktische Arzt in Zu-Fuß-Geh- oder Fahrraddistanz liegen.

gersthoferstrasse2Und intelligente Autonutzung heißt: Nutzen statt Besitzen. Dann brauchen wir nämlich weniger davon. Das durchschnittliche Wiener Auto tut derzeit 23 Stunden am Tag nichts anderes, als herumzustehen und Platz zu verstellen. In der Zeit könnten andere es nutzen. Carsharing ist mittlerweile professionell organisiert und jedes Carsharing-Auto ersetzt ungefähr acht Privatautos. Was für eine Geld- und Materialersparnis – und was für ein Platzgewinn!

Jeder unnötig gefahrene Auto-Kilometer und jedes unnötig herumstehende Auto bedeuten Abgase, Lärm und Platzverbrauch – und zwar für alle, nicht nur für die, die fahren. Jeder nicht gefahrene Autokilometer und jedes Auto weniger bedeuten Lebensqualität in der Stadt. Unsere Intelligenz ist gefragt.

Stadt für die Menschen, nicht fürs Auto

Stadt für die Menschen, nicht fürs Auto

In den vielen Gesprächen rund ums Parkpickerl hab ich gemerkt, dass die Vorstellungen von Stadt höchst unterschiedlich sind.

Für manche Menschen ist Stadt einfach die Verbindung vom Parkplatz zu Hause zum Parkplatz beim Büro, vom Büro-Parkplatz zum Parkplatz beim Supermarkt oder Fitness-Center und von dort wieder zurück zum Parkplatz zu Hause. Die Stadt ist fürs Auto da – für die Fortbewegung damit und dafür, es jederzeit und überall abstellen zu können.

Für andere ist Stadt, wo Menschen auf der Straße unterwegs sind, einkaufen gehen, einander treffen und plaudern, wo Plätze, Straßen und Parks gemeinsam genutzt werden, wo Geschäfte, Kaffeehaus, Schule, Arbeit und Kultur ohne Auto erreichbar sind.

Sobald wir das Haus verlassen, sobald wir uns auf der Straße befinden, beginnt das, was „öffentlicher Raum“ genannt wird. Ob wir uns in einem Grätzl wohlfühlen oder nicht, wie wir uns in der Stadt bewegen, ob wir sie als unseren Lebensraum oder als unwirtlichen Ort erleben – das hängt vor allem davon ab, wie’s da draußen ist. gersthoferstrasse3

Es macht einen Unterschied, ob ich mein Kind hinaus laufen lassen kann, weil es den Weg zum nächsten Spielplatz schon so gut kennt, oder ob ich es dazu erziehen muss, das Haus nur an meiner Hand zu verlassen, weil auf der Straße tödliche Gefahr droht.

Es macht einen Unterschied, ob ich auf dem Weg zur nächsten Straßenbahnstation auf breiten Gehsteigen an Schanigärten und Grünflächen vorbeikomme, zwischendurch mal bei einer Auslage stehen bleiben kann und schnell etwas besorge, oder ob ich mich zwischen Hausmauer und Schrägparkern, vorbei an leeren Auslagenscheiben entlangdrücken muss.

kutschkermarkt2Es macht einen Unterschied, ob meine betagte Tante ihren Einkauf ums Eck selbst erledigen kann, zwischendurch auf der Straße mit ihrer Nachbarin schwatzend, oder ob die vorbeirasenden Autos zu laut, der nächste Supermarkt zu weit und die Ampelphase beim Straße-Überqueren für alte Menschen schlicht zu kurz ist.

Es gab eine Zeit, in den 1960er und 1970er Jahren, da war die autogerechte Stadt der Inbegriff von Modernität. Boulevards wie der Gürtel oder in Währing die Gersthofer Straße wurden zu autobahn-artigen Schneisen quer durch die Stadt, und dort, wo vorher Platz für Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, Kinderspiel und Erwachsenen-Aufenthalt war, waren plötzlich immer mehr und noch mehr Autos.

Heute sind das Konzepte von vorgestern. Wir kennen den Preis – und er ist zu hoch. Wenn wir gemeinsam in der Stadt gut leben wollen, dann brauchen wir eine Stadt für die Menschen, nicht fürs Auto.