Wo geht’s hier Richtung Zukunft?

Gestern abend auf der Mariahilfer Straße – Tag eins nach dem Eröffnungsfest. Ein lauer Sonntagabend, die Geschäfte sind geschlossen – und die Straße lebt: Eltern und Kinder auf dem Fahrrad, Spaziergänger und Joggerinnen, junge Pärchen auf den Bänken, ein älterer Herr hat es sich gemütlich gemacht und beobachtet die Szenerie. Ab und zu fährt ein Auto vorbei – in begegnungsgerechter Geschwindigkeit. Die Menschen im dichtverbauten 6. und 7. Bezirk haben nicht lange gebraucht, sich diesen neuen Freiraum anzueignen – und es ist eine Freude, ihnen dabei zuzusehen.

Das ist es, was der Kopenhagener Stadtplaner Jan Gehl „Stadt für Menschen“ nennt. Oder, wie es die Wiener Zeitung in ihrem Artikel letzten Freitag zu „Vassilakous Meisterstück“ beschreibt: „Weg von der autogerechten Straße der 70er und 80er, wo Fußgänger und Radfahrer nur eine Nebenrolle spielen und der öffentliche Raum dem Pkw untergeordnet wird.“

Mahü_EröffnungDie ÖVP steckt leider noch fest in dieser Idee von der autogerechten Straße der 70er und 80er. Wie hat sie gegen die neue Mariahilfer Straße gewettert! Hätte sie dort das Sagen, dann wäre die jetzt schönste Flaniermeile Wiens noch heute im täglichen Dauerstau.

In Währing erleben wir täglich, was diese Politik von vorgestern in der Praxis bedeutet: eine Gehsteigverschmälerung da, ein zubetonierter Grünstreifen dort, teure Ampeln statt wirksamer Einbremsung des Autoverkehrs, Ignoranz gegenüber Hunderten blockierten Straßenbahnen – und vor allem die Blockade des Parkpickerls.

Letzte Woche am Kutschkermarkt wurde ich gefragt, was wir Grüne denn außer dem Parkpickerl noch wollen für Währing. Die Liste ist lang: Unterstützung der lokalen Wirtschaft, mehr Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten, mehr Kulturinitiativen, Erhalt und Ausbau der Grünanlagen, mehr Gemeinschaftsgärten, sichere Schulwege, bessere Radfahr-Möglichkeiten, mehr Platz fürs Zufuß-Gehen, mehr Bürgerbeteiligung, usw. usw. Mehr dazu in den nächsten Wochen hier auf dieser Website.

Warum das Parkpickerl gerade deshalb ganz oben auf der Liste steht:
Eine Stadt, ein Bezirk, in dem wir uns zu Hause fühlen und Lust auf Engagement und Miteinander haben, braucht einladende öffentliche Räume: Straßen und Plätze mit Geschäften und Lokalen, mit Möglichkeiten zum Verweilen und Plaudern mit anderen Menschen, mit Platz zum Gehen und zum Stehen-Bleiben, zum Radfahren und zum Kinderwagen-Schieben.
In Währing gibt es viel zu wenig davon. Weil jeder freie Quadratmeter mit Autos vollgestellt ist. Und man trotzdem keinen Parkplatz findet, wenn man ihn braucht.

Noch knapp 10 Wochen bis zur Wahl. Noch 70 Tage, bis am 11. Oktober die Entscheidung fällt, ob Währing weiterhin in Stillstand und Blockade verharrt und ein großer Gratisparkplatz für Touristen und Wochenpendler bleibt. Oder ob unser Bezirk diese Blockade endlich auflöst. Es ist Zeit, dass Währing mit einer grünen Stimmenmehrheit und einer grünen Bezirksvorstehung den Weg für das Parkpickerl frei und damit den Schritt ins 21. Jahrhundert macht. Gemeinsam schaffen wir das – so wie die Mariahilfer Straße 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.