Das Gersthofer Platzl kann mehr

Das Gersthofer Platzl ist ein wichtiger Ort für alle, die dort leben und unterwegs sind: Umsteigeknoten für den öffentlichen Verkehr, viele Menschen zu Fuß unterwegs, wichtiges Nahversorgungszentrum, Beginn der Gersthofer Straße als Geschäftsstraße. Und gleichzeitig gibt es wohl kaum jemand, der den jetzigen Zustand gut findet: Der Autoverkehr ist mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs, die Querungen beim Zu-Fuß-Gehen sind lang und unsicher, allein zwischen 2013 und 2016 gab es in der Gersthofer Straße zwischen Kreuzgasse und Türkenschanzplatz über 60 Unfälle mit Personenschaden.

Es war daher nicht überraschend, dass sich beim breiten Aufruf zur Agenda Währing im Juni 2017 auch eine Gruppe „Lebenswertes Gersthof“ zu diesem Thema gebildet hat. Über ein Jahr lang haben sich diese engagierten Bürger und Bürgerinnen nun intensiv mit dem Platzl auseinander gesetzt – im steten Austausch mit ExpertInnen aus den Magistratsabteilungen, den Wiener Linien und dem Agenda-Team. Und mit AnrainerInnen, Geschäftsleuten und Menschen, die am Platzl unterwegs sind. Über diese Arbeit wurden alle Parteien laufend informiert, die Sitzungen der Agenda-Gruppe standen allen Interessierten offen.

Spätestens mit letzten Herbstbeginn hat sich abgezeichnet, dass es dieser Gruppe von engagierten BürgerInnen gelingen könnte, einen umsetzbaren, sinnvollen, mit den Magistratsabteilungen, Wiener Linien und Verkehrsplanern abgeklopften Vorschlag auf den Tisch zu bringen: mehr Platz und mehr Grün fürs Platzl, sicherere und kürzere Querungen für die FußgängerInnen, Beschleunigung für den 10A, mehr Attraktivität für den Markt, alle Verkehrs- und Abbiegerelationen bleiben erhalten und alles geplant auf Basis der aktuellen Verkehrsmengen, aber mit absehbarer Weise verträglicheren Geschwindigkeiten – ich geb zu: Ich war begeistert, und ich bin es noch. Und hab mich daran gemacht, die Rahmenbedingungen für die nächsten Schritte zu klären.

Nun: Von Ablauf und Finanzierung her wäre es bei einer schnellen Entscheidung der Bezirkspolitik möglich gewesen, den Vorschlag schon 2019 umzusetzen. Und die prinzipiell immer positiven Rückmeldungen in Kommissionen und Agenda-Steuerungsgruppe– mit Vertretung aller Parteien – zu Zielsetzungen und Arbeit der Gruppe hätten erwarten lassen, dass das möglich ist. Gleichzeitig: Es ist ein komplexes Projekt, es braucht viel Information und Kommunikation – und ich kann nachvollziehen, dass jene, die nicht so nah dran waren am Planungsprozess, Fragezeichen, Bedenken, weitere Ideen diskutiert haben wollen, bevor sie sich eine Meinung zu diesem BürgerInnenvorschlag bilden können.

Dafür werden wir uns nun 2019 Zeit nehmen, das bietet die Chance, noch auf was draufzukommen und weiter zu verbessern – auch wenn es ein Wermutstropfen ist, dass das Platzl nun zumindest ein Jahr mehr in diesem unwirtlichen Zustand bleibt. Ich freu mich auf die Weiterarbeit an diesem Projekt, auf klärende Diskussionen, auf Verbesserungsvorschläge – und vor allem auf eine respektvolle und sachliche Auseinandersetzung mit der Arbeit und dem Engagement der Agendagruppe.

Es ist ein unglaubliches Geschenk für einen Bezirk, wenn es Bürgerinnen und Bürger gibt, die so viel Zeit, Energie, Knowhow und Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung in einen Planungsprozess wie diesen stecken. Und ich hoffe sehr, dass die Agendagruppe weiter mit Engagement dabei ist und die weiteren Diskussionen mit dem, was sie sich in diesem Jahr an Expertise und Wissen ums Platzl angeeignet hat, unterstützt. Dafür an dieser Stelle einfach einmal ein großes Danke!