Warum eigentlich grün?

Es muss irgendwann im Jahr 1989 gewesen sein. Ich hatte gerade ein Jahr lang in Währing gewohnt und eine aufregende Zeit hinter mir: Studienabschluss, Berufseinstieg, erste eigene Wohnung. Es lief gut, ich war mit mir zufrieden und damit, wie mein erwachsenes Leben Gestalt annahm – und doch war da Unbehagen:

Immer mehr Autos – wo doch spürbar wurde, dass das die Lebensqualität in der Stadt auf Dauer nicht verträgt. Um uns herum weiterhin jede Menge Atomkraftwerke – obwohl der Unfall von Tschernobyl gerade eben passiert war. Energie- und Ressourcenverbrauch jedes Jahr größer, höher, schneller – und gleichzeitig immer offensichtlicher, dass das so nicht zukunftsfähig ist.

In dieses Unbehagen hinein lag dann irgendwann eine Aussendung der noch jungen Währinger Grünen im Postkasten. Mit der Frage nach Mitarbeit. Ich schrieb hin. Sie schrieben zurück.

Etwas mehr als ein Jahr später war ich Spitzenkandidatin und mit der Wahl 1991 Grüne Klubobfrau in der Währinger Bezirksvertretung. Es war eine aufregende Zeit: Organisationsaufbau im Bezirk und auf Stadtebene, Lernen des politischen Handwerks, Entschlüsseln von Machtmechanismen und Ausprobieren, welche Hebel das zähe schwarz-rote Machtgefüge im Bezirk doch ein wenig in Bewegung bringen. Acht spannende Jahre – bist ich 1999 mein Mandat zurücklegte. Ich hatte gerade Beruf gewechselt und eine intensive Ausbildung vor mir – das nahm meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch. Und außerdem war ich schon damals überzeugt, dass Funktions- und Perspektivenwechsel hin und wieder nützlich sind, um Horizonte zu weiten und Standpunkte beweglich zu halten.

Denn losgelassen haben mich die politischen Fragen natürlich nicht. Und so begann ich 2004, aus der gewonnenen Distanz heraus, mich in der Politischen Bildung zu engagieren. Im Rahmen der Grünen Bildungswerkstatt Veranstaltungen, Lehrgänge und Seminare zu konzipieren und durchzuführen, Grünen, Grün-Sympathisierenden und nicht zuletzt auch mir selbst Räume für Diskussion und Auseinandersetzung zu bieten – das hat viel Freude gemacht, und ich hätte das auch noch gerne eine Zeit lang weiter machen können. Wenn da nicht eine neue Aufgabe gewartet hätte:

2009 war die Funktion der Wiener LandessprecherIn vakant. Zu diesem Zeitpunkt eine ziemliche Herausforderung – ging es doch um nicht mehr und nicht weniger, als die Wiener Grünen strategisch und organisatorisch auf eine allfällige Regierungsbeteiligung nach der Wahl 2010 vorzubereiten. Ich kandidierte, ich wurde gewählt – und damit begannen die bis dahin wohl dichtesten drei Jahre meines politischen Engagements: Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen und die neue Situation der Regierungsarbeit forderten jede Menge Zeit, Energie und organisationsentwicklerisches Knowhow, das ich dank meines Berufs auch einbringen konnte.

Der Rollenwechsel war anstrengend, aber auch höchst reizvoll: Nicht mehr aus der Opposition nur kritisieren und unbedankt Ideen liefern, sondern selbst Verantwortung übernehmen und gestalten. Diese Möglichkeit auch in Währing zu haben, das war besonderer Ansporn. Und so musste ich nicht lange überlegen, als die Währinger Grünen mich fragten, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle: Spitzenkandidatin für die Wahl 2015 und damit, nach unserem Wahlsieg, erste grüne Bezirksvorsteherin von Währing.

Silvia Nossek

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