Das Fahrrad – beliebtes Aufregerthema

Jeder Meter, der mit dem Rad gefahren wird statt mit dem Auto, ist für uns alle gut: Weniger Lärm, weniger Feinstaub, weniger klimaschädliches CO2. Radfahren braucht viel weniger Platz und die durch die Stadt fahrenden Drahtesel sind um vieles ungefährlicher als der Autoverkehr. Zukunftsweisende Verkehrspolitik muss das Radfahren fördern – gerade in der Stadt, wo die meisten Wege unter 5 km und daher fürs Fahrrad bestens geeignet sind.

Soweit, so logisch. Sollte man meinen. Denn erstaunlicher Weise ist das Fahrrad immer wieder Aufregerthema. Zeit, sich einmal mit den häufigsten Vorwürfen auseinander zu setzen:

Aufreger 1: Euch sind nur die Radfahrer wichtig. Das ist Klientelpolitik auf Grün!

Wir wollen nicht eine bestimmte Menschengruppe fördern, sondern umweltfreundliche Fortbewegungsarten: Öffis, Zufuß-Gehen, Radfahren. Die meisten von uns verwenden für ihre Wege unterschiedliche Verkehrsmittel. Und wenn uns Lebensqualität und Klimaschutz wichtig sind, dann müssen wir immer mehr davon ohne Auto zurücklegen.

Wien ist da, was den Öffentlichen Verkehr anlangt, vorbildlich. Die 365-Euro-Jahreskarte, Linienverbesserungen und die Parkpickerl-Erweiterung haben in den 5 Jahren Rot-Grün einen zusätzlichen Schub gebracht. Ausbaufähig ist im Vergleich mit anderen Städten immer noch das Radfahren.

Aufreger 2: Ihr wollt die Menschen zwangsbeglücken – aber nicht jeder will oder kann radfahren!

Niemand sagt, dass alle radfahren müssen. Ziel einer zukunftsorientierten Verkehrspolitik muss jedoch sein, dass immer mehr – Eltern mit Kindern, Jugendliche, Ältere – Lust haben und sich trauen.

Das hat mit Verkehrsorganisation zu tun: Tempobeschränkungen, Bodenmarkierungen, die das Vorhandensein von Radfahrenden sichtbar machen, radverkehrsfreundliche Ampelschaltungen und Einbahnregelungen, Begegnungszonen, fahrradfreundliche Straßen, Radwege.

20130504_Radaktionstag1Und das hat mit der Förderung vielfältiger Fahrradnutzung zu tun: Fahrrad-Anhänger für die Mitnahme von Kindern, Fahrräder mit Elektroantrieb für die Währinger Steigungen, Dreiräder für Erwachsene – anderswo bei älteren Menschen sehr beliebt, die nicht mehr so auf ihr Gleichgewicht vertrauen. Und auch Gewerbetreibende entdecken die Alternative zum Auto: eine Teppichreinigung, die die Teppiche per Lastenrad abholt, ein Supermarkt liefert per Lastenrad, eine Elektrofirma lässt ihre Monteure zu einfachen Störungen per Elektro-Scooter anfahren.

Es ist Verantwortung der Politik, dass das Radfahren als alltägliches Fortbewegungsmittel gesehen wird und nicht als Spleen von ein paar ausgeflippten Freaks.

Aufreger 3: Bei Autofahrern regt ihr euch über Regelübertretungen auf. Was ist mit den Radfahrern, die bei Rot über die Kreuzung fahren oder am Gehsteig unterwegs sind?

Gleich zu Beginn: Regelübertretungen sind nicht okay. Vor allem dann nicht, wenn sie andere gefährden. Wenn RadfahrerInnen auf Gehsteigen dahinbolzen, ist das ebenso zu ahnden, wie wenn sie Stopp-Tafeln oder rote Ampeln überfahren.

Ich geb aber zu, dass es hier für mich Grauzonen gibt: Eltern, die mit ihren radfahrenden Kindern vorsichtig am Gehsteig unterwegs sind, weil der Verkehr auf der Straße zu gefährlich ist (wie in Wien noch zu häufig der Fall). Oder Kreuzungssituationen, wo es für Radfahrende – nach vorheriger Prüfung – sicherer ist, die Kreuzung bei Rot zu überqueren (wie bei bestimmten Stellen am Gürtelradweg, wo linksabbiegende Autos queren).

Hier geht’s aus meiner Sicht nicht ums Strafen – hier geht’s darum, die Straßen fahrradsicher zu machen und auf den Autoverkehr ausgerichtete Regelungen neu zu gestalten. Und damit auch ein Klima der gegenseitigen Rücksichtnahme auf der Straße zu fördern.

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